Herbst des Lebens

Der Herbst ist da.

Nebel wabert um mich herum, er wird immer dichter.

Die Menschen, die ich im Sommer noch klar um mich herum sehen konnte, verschwimmen als Schemen.

Ich höre noch einige Stimmen, aber auch sie werden weniger. Es ist wie ein Luftballon, auf dem ich stehe. Er wird immer weiter aufgeblasen, die Abstände von einzelnen Punkten werden immer grösser.

Am Ende werde ich niemanden mehr sehen und auch niemanden mehr hören. Das Gefühl des Alleinseins im jetzt wird von der Gewissheit des Alleinseins ersetzt werden.


 

Der Text beschreibt meine Gefühlslage. Was ist faktisch los? Ich bin über die Woche ja an einem anderen Ort, abends meist zu KO, um was aktiv zu machen. Ich habe keinerlei Kontakte aufbauen können, nach über einem Jahr dort, im Ausland. Mit den Kollegen ein zwar nettes Verhältnis am Arbeitsplatz, aber keine weiteren Anknüpfungen darüber hinaus. Ich habe es ein paar Mal zaghaft probiert, aber es will mir nicht gelingen. Auch „Vereinsleben“ oder „Kirchengemeinde“: es gelingt mir nicht – die Angebote sind sehr klein und ich bin ja am Wochenende, wo das meiste läuft, am Ort meiner Familie. Pendler zwischen 2 Welten heißt auch, nirgends richtig zu sein.

Meine „alten“ privaten Kontakte verflüchtigen sich weiter. Und ich kann es auch nicht ändern.  Ich traue mich nicht mehr, und mag auch nicht mehr aktiv auf andere zugehen. Es ist ja doch auf Dauer erfolglos. Ich höre immer wieder, das ich ein „netter Mensch“ sei und „man mich mag“; aber an der Situation ändert sich dann doch nichts. Sind diese Sprüche nur soziale Selbstberuhigung? Ich weiß es nicht. Es schmerzt nur, das eine zu hören und das andere zu erfahren.

Fakt ist, ich verbringe mittlerweile mehr Zeit mit dem TV oder dem Spielen von Computer-Spielen oder auch dem Weinen und Selbstverletzen als mit Menschen im Gespräch. Wesentlich mehr Zeit. Aber auch das findet sein Ende. Ich bereite mich auf den kurzen Winter vor.


Und doch will ich auch eingestehen, dass es kleine Momente des Glücks gibt: gestern Abend bin ich mit beiden Kindern ins Kino gefahren. Als die Grosse danach das Auto fuhr, sang sie leise ein Lied aus dem Radio nach. Das zu hören, das ist das kleine Glück.

 

~ von Waltkaye - 17. September 2017.

3 Antworten to “Herbst des Lebens”

  1. Kannst du dich noch erinnern an diese eine Aufgabe, jeden Tag ein kleines Glück zu notieren?
    Ich freu mich, dass du ein solches hattest dieser Tage! Freu mich für dich. Weil es zeigt, dass du nicht verlernt hast, diese kleinen Glücksmomente wahrzunehmen. Davon wünsche ich dir mehr. Viel mehr!

    P.

  2. Guten Morgen wünsch ich dir, waltkaye und einen nicht so stressigen Tag 😉

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