Panik, wieder einmal üble Gedanken und Böcke

Gestern war ich auf einem Weihnachtsmarkt in Freiburg. Mittendrin im Trubel bekam ich eine Ahnung, was Menschen mit Panik so erleben können.
Vor dem Rathaus sind einige Stände aufgebaut. Der kleine Platz platzt wegen der Menschen aus allen Nähten und ich kriege nicht mehr mit, was meine Frau zu mir sagt. Ich folge ihr eigentlich nur noch und merke, dass ich mich wegen der vielen Impulse, die kommen, nicht mehr konzentrieren kann. Und dann kommt ein Gefühl der Angst: mittendrin, völlig allein, umgeben von „Aliens“ die ich nicht verstehe, die irgendwas sagen, geschoben in der Masse, Gerüche, Musik, Fetzen von Akustik. Das dauert so ca 3-4 Minuten an, dann sind wir durch und es wird wieder besser; ich merke, wie sehr ich verkrampft war und gleichzeitig einen Schweißausbruch hatte.
Ich mag es lieber, wenige Menschen um mich zu haben, jedenfalls wenn sie so dicht an einem dran sind. Ich mag es, lieber dedizierte Impuls zu haben, als dieses vollgestopft werden auf allen Kanälen.

Heute morgen recht früh (für Sonntag) aufgewacht, gleich noch mit schwierigen Gedanken an meinen alten Arbeitsplatz. Ich sollte endlich einen Roman schreiben: über Narzissmus bei Kollegen (ich nehme mich nicht aus), über mafiöse Spiele an der Arbeit, über „Mord und Todschlag.“ Vielleicht hilft das ja, diese Gedanken loszulassen?

Gott tröstet und heilt mich ja nicht – der hat besseres zu tun, an Weihnachten und im Advent sowieso. Der schaut nicht drauf, wenn ich meine Frau als Chauffeur begleite, damit sie einen Dienst in der Kirche voranbringen kann (der Grund, weswegen wir gestern tatschlich in Freiburg waren). Der schaut mein Herz auch nicht an, wenn ich nachts immer wieder Alptäume vom Ermordet werden habe, oder tagsüber üble Gedanken wie heute morgen. Er hat einfach was anderes, besseres zu tun. Ich trage wohl schon den Ausweis „Bock, zur Linken“ (Matthäus 25, 31-36). Die Hölle ist hier und jetzt.

 

~ von Waltkaye - 4. Dezember 2016.

3 Antworten to “Panik, wieder einmal üble Gedanken und Böcke”

  1. auf weihnachtsmärkten kriege ich auch eine panikattacke, geh da erst garnicht hin

  2. Vielleicht passt Psalm 34,19 besser zu dir als Matthäus, noch ist der jüngste Tag nicht abgebrochen.
    Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.

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