Heimat

Wo ist eigentlich meine Heimat?

So ganz klar ist mir das grad nicht. Wenig Zeit mit der Familie. Viel weg…

Habe zu Monatsbeginn eine Wohnung in der Nähe der Arbeit bezogen, d.h. ich bin noch am Einrichten. Dort (noch) kein Internet, kein TV, kein Telefon (auch noch Handy im halben Funkloch). Die erste Nacht habe ich gar nicht geschafft, ich war so daneben, dass ich dann noch zur Familie gefahren bin. Mittlerweile aber dann doch einige Male übernachtet – muss halt noch Bett aufbauen und Möbel besorgen.

Über all dem spüre ich, wie einsam ich mich fühle. Innerlich. Äußerlich. Wie mich nach wie vor Groll umtreibt über das Arschloch von Kollegen. Die Gefühle sind momentan heftig. Dazu der (noch kleine) Kampf mit den deutschen Behörden. Beim „Austragen“ als „kein Wohnsitz in Deutschland“ war das einfach – im Rathaus hieß es, dass es aufgrund des deutlich verschobenen Lebensmittelpunkts (ca 24 Tage am neuen Ort, 6 am Alten pro Monat) klar war. Danach, auf dem Finanzamt genau das Gegenteil. Steuern müsse ich dann aber doch noch in Deutschland zahlen. Einen größeren Schwachsinn gibt es nicht: „kein Wohnsitz“ aber Steuern zahlen.

Davon abgesehen: ich komme kaum aufs Blog oder anderes, da die Firma sehr strikt im Internet ist (es wird alles gemonitort), Facebook geht erst gar nicht; und Bloggen, IM schicken oder so möchte ich nicht, solange ich keinen privaten Zugang habe.

Wie ich das hier so schreibe, merke ich wieder diese Gefühl der Einsamkeit. Ich kann manche Sachen nicht mit meiner Frau teilen. Für mich durchaus wichtige Sachen. Aber es geht ihr gegen den Strich. Ich fühle mich in mir eingesperrt und gleichzeitig ausgesperrt.  Aber eigentlich, wenn ich ehrlich bin, ist es das Lebensgefühl meines ganzen Lebens. Es war nie anders. In der Therapie in der Klinik vor einem Jahr hieß es ja, ich bin chronisch suizidal. Lustiger Ausdruck. Aber scheint zu stimmen. Und – nachdem ich dem doch lange nachgegangen bin und auf die schmerzhaften Punkte meines Lebens geschaut habe, merke ich, dass dieser Wunsch, tot zu sein, stark mit der genannten Einsamkeit, dem Eingesperrt sein in mir selbst, zusammenhängt. Kein Ausdruck für die Wünsche, Sehnsüchte und Gefühle zu finden; bzw. der Ausdruck, der mir manchmal gut tut, nur im stillsten Kämmerlein zu haben. Kein sich Mitteilen können, weil es nicht sein darf – nicht nur bei meiner Frau, auch in der allgemeinen Gesellschaft würde ich anecken.

Dieser Bruch im Leben, dieses Eingesperrt sein fängt spätestens bei meinem 10. Lebensjahr an. Dort wurde der schon vorhandenen inneren Prägung – Kindheitserinnerungen lassen mich das recht klar erkennen – ein äußeres Gefängnis dazu gestellt – Bedrohung durch einen realen „Feind“: RAF leckt mich – Christian Klar, Verena Becker und CO: Euch würde ich am liebsten das antun, was ihr selbst uns angedroht habt. Ihr seid solche Heuchler in Eurem eigenen faschistischen Schweinesuhl…  Oh… mit meinem Ex-Kollegen würde ich gerne dasselbe machen. Und hier kommt der Punkt: ich lehne Gewalt ab; (na ja, es gibt eine Ausnahme ;-)) – ich bin davon überzeugt, dass man Probleme anders lösen muss. Aber, was macht man mit unbelehrbaren Ärschen?

Na ja, genug der Schimpfe. Ich muss irgendwie versuchen, meiner Familie ein halbwegs guter Mensch zu sein. Geld wieder verdienen. Jetzt gehe ich auf 80% Arbeitsvolumen. 100% wäre besser und mir auch lieber – aber die Wiedereingliederung will Zeit.  Finanziell muss es reichen.

Irgendwie hoffe ich auf bessere Tage….und muss doch lernen, mit dem Alter, der beruflichen Verwundung und mir selbst umzugehen, es zu akzeptieren und das Beste draus zu machen.

In dem Sinne wünsche ich allen Lesern alles Gute.

~ von Waltkaye - 9. Juli 2016.

2 Antworten to “Heimat”

  1. Wo ist Heimat?
    Diesen Gedanken kenne ich – bedingt durch fast 20 Umzüge in meinem Leben – sehr gut! Auch wenn es bei mir andere Gründe hat als bei dir, kenne ich die Gefühle, die mit der Frage verbunden sind.

    Zu dem anderen: Wie sehr ich dir wünsche, vergeben zu können!
    Das klingt vielleicht blöd in deinen Augen. ( 😉 )
    Was ich meine: All der Groll, der Hass, den du mit dir herum trägst, belastet DICH. Nicht deinen Kollegen, nicht die RAF, sondern dich.
    Natürlich haben sie dich verletzt, zutiefst dein Leben geprägt und was daraus entstanden ist, tut dir und denen, die du liebst, weh. Keine Frage.
    Aber was du nachträgst (verständlicher Weise!), belastet dich – nicht die anderen. Wie du in Gedanken und Gefühlen aufrechnest, belastet dich – nicht die anderen.
    Unvergebene Verletzungen belasten immer einen selbst, die anderen wissen oft (meist) gar nichts davon.
    Man selbst ist gefangen und unfrei, während die anderen fröhlich ihr Leben leben.

    Vergeben (zu können) macht frei. Man sagt dabei weder, dass das erlittene Unrecht doch Recht war, noch erlaubt man den Verletzern nachträglich, diese Verletzungen zuzufügen. Wenn keine Verletzungen, kein Unrecht entstanden wäre, wäre keine Vergebung notwendig.
    Aber Vergebung entlastet – dich. Macht frei – dich. Gibt neue Kraft – dir.

    walt – es mag scheinen, als ob das leicht daher gesagt ist. Aber das ist es nicht. Ich habe das erlebt, durchlebt. Ich weiß, dass die Vergebung einer tiefsitzenden Verletzung Jahre bis Jahrzehnte dauern kann. Dass es ein Prozess ist, in dem man manchmal zwei Schritte zurück und nur einen wieder vor geht. Weiß darum, dass Vergebung auch ein Vergeben wollen voraussetzt – und die Bereitschaft, dem anderen (wenn auch nur innerlich) seine Untat nicht immer wieder vorzuwerfen. Man kann das erlittene Unrecht nämlich auch dafür hernehmen, immer wieder die Opferrolle auszuspielen, damit passiv zu bleiben, anstatt aktiv mit der Schuld des anderen umzugehen. Und aktiv heißt hier eben: indem man vergibt.

    Bei mir hat es mehr als 12, vielleicht sogar mehr als 15 Jahre gedauert, bis ich bei einem erlittenen Unrecht sagen konnte: Ja, das habe ich vergeben. Wenn wir mal unter uns sind, darfst du mich auch fragen, auf was ich das beziehe. Dann erzähle ich es dir.

    Das heißt übrigens nicht, dass man danach mit dem Verursacher gut Freund ist. Überhaupt nicht! Man kann wissen, wie gut es ist, mit diesem Menschen nie wieder in Kontakt zu kommen.
    Aber die Belastung und Fixierung, die Lebensbeschwerung ist weg.
    Die Erinnerung an die Verletzung, an das oder die Ereigniss/e geht nicht weg. Aber sie bestimmt nicht mehr das gesamte Leben.

    Das ist meine Erfahrung. Du kennst den, der einem das ermöglicht. Ohne die Vergebung, die ich selbst von Gott her erfahre, hätte ich das nicht so erleben können.
    Ich wünsche dir so sehr auch diese Erfahrung machen zu können!

    So. Und nach dieser „Predigt“ noch der Wunsch, dass du dich bald zu Hause fühlst am neuen Ort. Dass du die Wohnung so einrichten kannst, dass du dich wohl fühlst. Falls du irgendwas brauchst – wir haben viele Haushaltsgegenstände bis hin zu Möbeln übrig, seit wir zusammengezogen sind. Falls es möglich ist, sowas über die Grenze zu schaffen?

    Sei behütet!

    Alles Liebe,
    P.

    • Liebe P.
      Danke. Und nein, es klingt nicht blöd. Ich weiss was du meinst. 2 Seelen schlagen in meiner Brust. Das bizarre ist, dass der Arsch auch noch nett sein kann.
      Der Schmerz sitzt nur so tief, dass es jetzt langsam raus kommt. Vorher war er drin – und ich dem Suizid nahe. Jetzt geht erstmals Aggression nach draussen. AufvDauer nicht gut, aber temporär ok, finde ich.
      Lg

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