Jahresende – Reflektion zu einem Gottesdienst

Zu Silvester war ich beim ICF in Karlsruhe und erstmals überhaupt beim ICF.

Die Predigt ging im Grundsatz um Mose, das Volk Israel und den Berg Horeb.(5. Mose 1,6.)

„Der HERR, unser Gott, redete mit uns am Berge Horeb und sprach: Ihr seid lang genug an diesem Berge gewesen; wendet euch und ziehet hin“ soll als zentrales Zitat reichen.

Ich denke, viele können am Jahresende solch einen Text auf sich beziehen; meine Frau war in den Tränen ob ihrer eigenen Betroffenheit. Ich habe meinen Teil runter geschluckt, erst mal. Deswegen schreibe ich nun hier.

 

Ist es so: war ich lange, zu lange, an meinem Horeb? Meiner Arbeitsstelle und allem damit verbundenen Negativen? Ich merke doch immer noch, wie verletzt ich bin. Fühle mich so wertlos. Und soll Vertrauen fassen? Auf Gott? Um ehrlich zu sein – ich bin so gespalten. Ob es diesen Gott gibt, ob er es wirklich gut mit mir meint und solches…

Oder ist mein Horeb meine Depression? Mein Wunsch nach dem nicht-sein-müssen? Dem Tod? Schau ich mich heute an, so geht es mir besser als vor einem Jahr. damals wollte ich bis in die Mitte des Januars hinein mich selbst umbringen. Musste jeden Tag mir selbst und meinem Zimmergenossen versprechen, es „heute“ nicht zu tun. Gut, dass ich einen solchen Genossen in der Klinik hatte. Schau ich mich im Vergleich zu vor 3 Monaten an, ist es wieder stärker, das Gefühl tot sein zu wollen. Ich kämpfe jeden Tag um meine eigenen Selbstbeherrschung, mich nicht zu verletzen; um einen (gesunden) Selbststolz (keine Hochmut), vielleicht besser als Selbstachtung bezeichnet. Es ist schwierig.

Gerade gab es wieder Zoff hier zuhause. Hund kommt dreckig von Waldspaziergang heim, meine Frau an der Decke. Ich kann damit kaum ungehen; schon schnell umwölkt es meine Seele und ich habe das Gefühl, wieder mal an ihrer Misere Schuld zu sein. Schuld auch an der Lage einer Tochter, die ebenfalls (an mir) leidet. Schuld am Verlust des Jobs, hab ja schlecht gearbeitet. Schuld daran, nach nun mehr als 6 Monaten Suche immer noch nichts zu haben. Arbeitslos. Wertlos. Mein Herob ist „die Schuld“?

 

An manchen Tagen möchte ich tot sein.  Und ich kämpfe an diesen Tagen einen schweren Kampf. Das weiss ich. Wünsche des Tot-Seins bebildern sich mit Szenarien des Tot-Werdens: Mit der heimischen Kreissäge den Arm absägen. Vor den Zug legen (wie vor einem Jahr fast). Mich verbrennen, vor dem Arbeitsplatz. Mit dem Auto gegen eine Tunneleinfahrt. Und immer fühlt es sich an wie „endlich frei“ sowie ein „schade“ (und das ist neben meiner Familie wohl der Grund, dass ich kämpfe).

 

An anderen Tagen finde ich innere Ruhe, selten leider. Passende Musik kann mich dazu hinführen, aber genauso auch herunterziehen. Eine Session bringt mich zur Ruhe, und tut mir gut. Seile, an denen man sich aufhängen könnte, bieten in einem ganz anderen Kontext Geborgenheit. Feines Essen geniessen manchmal auch. Leider schlägt das wegen der Tabletten momentan an 😦 Manchmal hilft malen, oder Geschichten schreiben.

 

Aber nichts heilt.

 

Wie kann Heilung geschehen? Ein Neustart? Dann kommen die Gedanken, alles hier aufzugeben: neben Job bzw. sozialem Netz, das fast nur am Arbeitsplatz war – Ausnahmen sind 2 Leute in Konstanz, 2 in Karlsruhe, 2 in Lörrach, 1 in München und 2 in Bietigheim. Leider alle verteilt.

Selbst wenn wir weggehen, wie soll das funktionieren? Finanziell fehlt mir der Mut und auch das Kapital. Haus verlieren? Nach all dem, was ich mit meinem Elternhaus erlebt habe? An einen Ort ziehen, wo auch mein Bruder ist? Oh je. Und doch, es wird so kommen. Denn ich habe hier keine Berechtigung mehr. Meine bessere Hälfte will – schon seit wir hergekommen sind – weg und war lange geduldig.

Horeb heisst, alles aufgeben. Das ist mein Horeb. Und dann gucken, was passiert. Hoffen, versuchen etwas neues aufzubeauen und im Übrigen konsequent sein.

~ von Waltkaye - 2. Januar 2016.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: