Letzte Runde eines schuldigen Wertlosen

Heute hat mein Chef mich ins Gebet genommen. Ob es mir, als Mensch, gute gehe. Und dass die Arbeit leide.
Dann einen Schwung von Sachen gebracht, die ich nicht termingerecht gemacht habe. Weniges davon konkret benannt, trotzdem kann ich es teilweise nachvollziehen, teilweise scheint es aber auch rein kumulativ von seiner Seite.
Seine Beteuerung, er stehe hinter mir, aber was sollen wir jetzt machen? Es wirkt so, als wolle er einen Vorschlag von mir, der ihn und mich erlöst. Als Manager berechtigt.

Ich weiss von meinen Fehlern, einige sind durch andere ausgelöst, ein Teil von mir. Partiell also fair, partiell nicht.
Er schlägt vor, dass ich mir eine Auszeit nehme, stationär in die Klinik. Man mache sich ja allgemein Sorgen, nicht nur er. Komisch, warum spricht mich keiner sonst an? Bin ich so unnahbar?

Irgendwie ist es klar, dass es aufs Ende der Karriere zu geht. Während ich weine, biete ich meine Demission an, er reagiert nicht gross drauf, scheint es aber auch im Kalkül zu haben.

Die Kritikpunkte, die ich dann meinerseits anbringe (ich meine mach reiflichem Überlegen und absolut korrekt), die prallen an ihm ab. Obwohl ich es sachlich erkläre, sieht er keine gemeinsame Basis mehr. Das Spiel meines Kollegen will er so als Spiel nicht sehen, das sei normales Business. Seine Aussagen zum letztjährigen Bonus relativiert er (komisch, ich habe sie anders notiert, vom iphone). Ebenso die Aussagen, die er in Vorbereitung unserer jährlichen Strategieentwicklung vor Kollegen gemacht hat, wird relativiert. Mir scheint, dass das Generieren von Business halt doch vor Moral und Ethik geht. (Und beim Kollegen noch Show und Narzissmus vor fachlichem Wissen).

The show must go on, so wie nach dem Suizid eines Kollegen vor wenigen Jahren.

Ich lerne also: Business vor Moral.

Ich lerne auch, dass ich für die Arbeit wertlos geworden bin und daran auch selbst schuld bin.

Ich bin zu blöd, meinen Beruf auszufüllen, und was anderes kann ich nicht.

Jetzt geht es in die entscheidende Runde, vermutlich die letzte dort. Vielleicht die letzte auch sonst. Wertloses gehört auf den Müll, nirgends sonst wo hin.
Und jetzt, wo och schreibe, da denke ich an das mich-verbrennen. Und an meine Familie. Tochter auch in der Krise, sie hat u.a. Geldangst. Was soll ch bloss tun?

Ich bin mir nicht sicher, ob es den Himmel gibt, und ob ich da überhaupt hinkäme. Aber die Hölle in mir, die gibt es.

~ von Waltkaye - 8. September 2014.

3 Antworten to “Letzte Runde eines schuldigen Wertlosen”

  1. Es ist wirklich traurig, dass es soweit gekommen ist. Alle schauen nur, wie sie selber am besten weg kommen und scheren sich einen Dreck um ihre Mitmenschen. Es tut mir leid und ich wünschte, ich konnte was für dich tun. 😦

  2. Das tut mir leid für dich. Ich finde es immer wieder erschreckend wie Menschen sein können wenn es um das Geschäft geht. Auch das alles Gesagte nichts mehr ist und man dargestellt wird, das man selbst es nicht richtig wieder gibt.
    Ich kenne auch solche beruflichen Situationen und ich weiß wie zermürbend die sind. Auch mir wurde damals geraten in die Klinik zu gehen und dann wollten sie mich eigentlich nimmer haben. Ich habe es geschafft dort wieder zu arbeiten, aber sicher ist es jetzt ein anderer Kampf als vorher, der immer noch sehr viel Energie kostet.

    Wünsche dir viel Kraft. LG desweges

  3. Du bist weder Schuld an dieser Situation noch wertlos! Das lass dir von niemanden einreden – auch nicht von dir selbst.

    Was spricht dagegen, dass du dir eine Auszeit nimmst?

    Ich wünsche dir viel Kraft!

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