Durchhänger oder Absturz?

Heute hatte ich, trotz Sonnenschein und eines guten Auftrags, einen Durchhänger zwischendrin, bei dem ich – ganz offen geschrieben -, im Zweifel war, ob ich noch mit meinen Skills arbeiten soll, oder es einfach sein lassen sollte.

Gedanklich kam ich während einer Autofahrt entlang einer schönen Küste immer wieder auf die Arbeit. Und das zog mich richtig runter. Ich hab durch regelmässiges Anhalten und Fotografieren versucht, gegenzusteuern.

Der Teufel steckt jedoch im Detail. An einer Stelle ging es weit und steil runter, so ca 80-100 Meter. Kein Schutz. Unten Fels und etwas Wasser, danach das Meer. Ein paar Minuten stand ich da, versucht, einfach nur etwas weiter vor zu gehen, um auszurutschen. Eine Art tragischer Unfall…

Irgendwie haben es mein Chef und der Kollege, der mir den Stuhl abgesägt _hat_ (!), geschafft, mir jegliches Selbstvertrauen, was meinen Beruf und meine Fähigkeiten angeht, nach und nach auszuhölen. Ich fühle mich beruflich als tumber Tor. Als unfähig. Wertlos. Uns genau das fühlte ich an dieser Klippe.

Man mag drüber lachen, aber ich bin Gott und jemandem dankbar dafür, gleichzeitig noch ein anderes, mehr körperliches Gefühl gehabt zu haben, in das ich mich dann eingefühlt habe. Um kurz auch in eine innere Welt zu gehen, die mir schon manches Mal geholfen hat. Um einfach den Gedanken „spring und es ist endlich vorbei“ loszuwerden.

Und dann konnte ich auch wieder an meine 6 Frauen denken, die mir wichtig sind (Ehefrau, Kinder, Frau P., meine „adoptierte Schwester“ aus der Klinik, und Wuff.) Und dann an die Menschen, die mich gefragt haben, ob ich sie betreue.

Trotzdem habe ich Angst vor der Zukunft. Sie ist so ungewiss wie nie.

~ von Waltkaye - 24. Juni 2014.

2 Antworten to “Durchhänger oder Absturz?”

  1. Ach Sch…
    Erst jetzt habe ich wieder hier auf dieser Seite gelesen.
    Solange du unterwegs warst, war ich ganz auf dias andere eingestellt und habe, wenn ich Zeit hatte, nur dort gelesen.
    Dadurch ist mir dieser Eintrag ganz und gar durchgegangen. Entschuldige bitte.

    Froh bin ich zwar, dass du den Gedanken an der Klippe nicht nachgegeben hast und auch, dass da ‚etwas‘ war, das dich gehalten hat. Aber ich hätte zumindest versucht, noch anders, über das Gewesene hinaus, für dich da zu sein. Und es tut mir Leid, dass dich diese Gedanken auch dort eingeholt haben.

    Dein Stuhl, der Kollege… das klingt so endgültig. War das schon vor deiner Reise klar? Du hast das so deutlich gar nicht erwähnt. Oder habe ich es überhört?

    Manchmal wünschte ich mir die Möglichkeit, für einen kurzen Moment ein Zeitfenster in eine andere Dimension zu haben. Um Geschehenes zu verschieben oder Kommendes anzustoßen. Natürlich in die – gefühlt – richtige Richtung. 🙂
    Mir bleibt beten, das tue ich und wünsche, dass du erlebst, dass sich etwas zum Positiven verändert.

    Gefreut habe ich mich, dass es 6 Menschen sind, die du hier aufzählst als jene, die dir wichtig sind. Das sind mehr als sonst (da waren es meist 4).
    Und dass Menschen nach dir fragen, die dich brauchen. Würde gerne mehr wissen über das, was mit der Betreuung gemeint ist.

    Ganz liebe Grüße,
    sei behütet und gesegnet.
    P.

    • Keine Panik. Du kannst und musst nicht alles lesen.

      Die Gedanken… sind halt Teil von mir. Ich kann damit versuchen, sinnvoll umzugehen, eliminieren kann ich sie nicht. Zu stark manchmal dieser Schmerz. Aber dafür hat es Gott, liebe Menschen und manchmal auch ein Stück Plastik, dessen Peinlichkeit für die Hinterbliebenen an einem Toten einen überlegen lässt.

      Kollege: ja, das ist seit ca 2 Monaten klar, er hat es damals geschafft, die vorher von der Geschäftsführung definierte Strategie umzudrehen. Mein Chef meinte damals (vorher), ich bräuchte mir keine Sorgen zu machen, aber es ist dann das genaue Gegenteil eingetreten vom Plan. Und ich stehe da wie ein Vollidiot.
      Ein paar Kollegen haben mir unter jeweils vier Augen gesagt, dass das, was da passiert ist, nicht in Ordnung, bzw. „eine fiese Sache“ war. Aber Fakt ist, dass ich durch die vorhandenen Spiele des Kollegen nun demnächst Kompetenzen entzogen bekomme. Er war mir unterstellt, hat aber immer an den Chef rapportiert, kam nicht zu Sitzungen,… Nutze dann Kundenfeedback, bauschte den auf (im Nachhinein kam schriftlicher Feedback, der dann doch unseren Qualitätsstandards entspricht(!!!), aber zu spät.) und sägte mich ab. Demnächst ist dann er für das Produkt zuständig, und ich soll gewisse Sachen liefern, da ihm ein Teil der notwendigen Kompetenzen fehlt, höchst offiziell. Unser Geschäft scheint mehr am Showbusiness interessiert zu sein, denn an Kompetenz. Oder, ich bin noch inkompetenter als er. Vielleicht ist das ja mittlerweile so, ich traue mir nichts mehr zu… Ich WEISS, dass ich früher SEHR GUT war, ich habe entsprechende Feedbacks, auch schriftlich, bekommen.
      Aber ich fühle mich wie ein Rennwagen, den man in der Tiefgarage abgestellt hat, und ab und zu erwähnt, man habe einen Rennwagen. Aber kein Fahrt. Rosten. Oder verblöden. Inkompetent werden, sein…. Ich habe meinen Chef immer wieder drauf angesprochen, und mein Fehler war sicher, nach dem Burnout vor Jahren nicht gegangen zu sein. Weil Chef auch nett ist, ein Lebensziel winkte, und ich hoffte, was ändern zu können. Aber unser Unternehmen ist, im Vergleich zu allen Firmen, in denen ich vorher war, nicht wirklich schnell, innovativ oder modern. Man hält sich nur dafür, zumindest in meinem Fachberuf kann ich das eindeutig beweisen, aber das nützt nix.
      Am Ende bleibt nur die Erkenntnis, dass man als Manager mehr Showbusiness und Netzwerkpflege machen muss, als wirklich was vom Fach zu verstehen.

      Freie Mitarbeiter haben mich schon auf die seltsame Entwicklung angesprochen, es sind Fachleute. Und sie wissen ja noch nicht einmal alles…

      Unterm Strich, mit kaputter Seele, da möchte man dann und wann halt die Klippe runterfallen. Oder sonst was machen, meine Tagträume haben jede Menge Material. Aber meine Skills auch. Wie ein innerer Kampf gut gegen böse, wobei ich nicht mehr sicher bin, was gut und was böse ist, leider. Das ist in den letzten Monaten verloren gegangen.

      Da kommen die 6 ins Spiel, wobei es nur 5 Menschen sind. 4 kennst Du ja (Du bist eine davon), und eine wiest Du bald kennenlernen.

      Genug der Litanei…

      Betreuung: Die Leute, die als Kunden zu mir kommen. Die im speziellen für ihre Ausbildung jeweils eine Abschlussarbeit schreiben müssen. Ich musste dieses Jahr schon einige abweisen, weil mein Kontingent schon überfüllt ist, d.h. Ich betreue schon mehr, als der Standard vorsieht. Zumindest diese Rückmeldung, wie auch die Arbeit mit den Auszubildenden ist sehr befriedigend, ein Lichtblick.

      Ich erzähle Dir gerne mehr, persönlich.

      Dir und Deinen Lieben auch alles Gute und Gottes Segen.

      Lg Waltkaye

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