Achterbahnfahrt

Die Gefühle bleiben auf Achterbahnfahrt, und ich hab grad alle Hände voll zu tun; äusserlich (Arbeit) und innerlich (Skills).

Meine „normale“ Psychotherapie wurde nun beendet (weil das Kontingent ausläuft), ein Termin früher als erwartet, aber so ist es nun mal.

Ich hab daraus mitgenommen, immer wieder zu fragen, ob „ich _wirklich_ schuld an etwas bin“, also nicht einfach die Schuld auf mich zu nehmen, für Dinge vor allem, für die ich nichts kann: den Alkoholimus meines Vaters, den Egoismus meiner Mutter mit den Kindern als Puffer, manchmal mein Chef (manchmal ist er auch im Recht, aber eben nicht immer) etc.

Meine Traumtherapie führt mich stark an die Fragen und Schema, die mich prägen: „ich bin nicht gewollt, wie ich bin“ (bin ich denn gewollt?) und eben das „ich bin selbst schuld“…

Das bedeutet wirklich hoher Seegang in mir.

Gestern hat mir meine Liebste wieder mal klar gemacht, wo ihre Grenzen sind (die darf sie natürlich auch haben). Aber das bedeutet für mich halt trotzdem auch heute „ich bin nicht gewollt, wie ich bin oder manchmal gerne wäre“. Es geht mir dabei nur um das manchmal: das Akzeptierens meines BDSM THema i.allg. ist bei ihr ein grosses Geschenk an mich. Aber ein konkreter Teilaspekt ist für sie absolutes No-Go und es schmerz so: ich mag halt auch ab und an die Feminisierung. Das geht über ihre Grenzen; dabei fühle ich mich doch trotzdem gesamt als Mann.

Dieses Feminisieren und seine Auslöser in der Kindheit waren diese Woche dran in der Traumatherapie, eben weil in der Kindheit einiges gelaufen ist, das meine Eltern NIE hätten machen dürfen. Scheiss Eltern, zumindest in dem Punkt. (Ach ja, die anderen Punkte oben sind dabei noch nicht berücksichtigt worden). Aber nun, nach mehr als 40 Jahren, ist es nicht nur ein Trauma, sondern es ist halt auch Bestandteil meiner Selbst. Wie soll ich mich annehmen, wenn ich dabei ständig mit dem No-Go konfrontiert bin? Ich würde ja meinen „femininen“ Teil gerne im BDSM Kontext ausleben, aber DAS darf meine Liebste nicht einmal erahnen. Welch Schmerz für mich, mich auf Zeit meines Lebens so zu verstecken. Es reicht ja, wenn das schon in der Gesellschaft tabu ist; aber ich würde mir wünschen, meine Liebste würde das einfach tolerieren und nicht beachten – ihre deutliche Negativhaltung lässt mich erahnen, dass ich niemals so sein darf, wie ich bin, und innerlich scheine ich immer wieder auf die Einsamkeit zu stossen. Ich bin froh, dass es wenigstens ausserhalb einen Mensch gibt, dem ich diese Dinge schreiben kann (danke, liebe P.)

 

In der Arbeit habe ich bald MBO-Gespräch; das wird allenfalls mittelprächtig ausfallen. Nun ja, ich kann es nicht ändern.

Mein Wert ist am Sinken, und irgendwann bin ich wohl nur noch Müll. Sinken, wie am Ende der Achterbahnfahrt, wenn dann der Wagen stillsteht, man aussteigt und weggeht.

 

~ von Waltkaye - 24. November 2012.

Eine Antwort to “Achterbahnfahrt”

  1. Ich finde den Artikel weitgehend gut – weil ich das Gefühl habe, dass es eine konstruktive Auseinandersetzung mit den Dingen ist.
    Nur am Ende, da kommt dies andere, fatalistische (sag man so?) durch, wenn du schreibst ’nur Müll‘.
    Nein. Genauso wenig wie du an allem schuld bist, was dir begegnet (verantwortlich wäre ein anderes mögliches Wort), genauso wenig bist du Müll.

    Am Thema Fem. bleiben wir dran. *lächelt*

    LG,
    P.

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