Ein Meer voll saurer Tränen

 

Kein Umweltskandal. Nur ein Blick in mein Herz. Gefüllt mir Tränen, die nicht geweint wurden. Die zu Säure geworden sind und mein Innerstes verbrennen. Tränen wegen Einsamkeit, wegen Missbrauch, und weil ich nichts ändern kann. Nichts will mir gelingen. Das „innere Kind“ in mir ist tief verletzt und einsam: danke liebe Mutter  und lieber Vater dafür. Ihr habt mir keinen Schutz gegeben, wo ich ihn gebraucht hätte. Ihr habt mich missbraucht.Vorsicht Säure!

 

 

Trotz meiner Liebsten, meiner Kinder und einiger weniger Menschen (wie P. und J. – danke), die den Mut haben, sich mir auszusetzen, komme ich mit den inneren Dingen nicht zurecht. Und die äusseren Themen – wie gerade das mehrfache Versetztwerden – erhöhen den Luftdruck über meinem Meer und lassen weitere Tränen herabregnend mich verätzen.

 

Eine Reise in einem Schiff ohne Wiederkehr in einen sicheren Hafen, das ist mein „inneres“ Leben. Ich kenne nur wenige Momente, wo ich mich richtig geborgen fühlte. Wenn meine Liebste auf mir liegt… (nein nicht zum Sex, sondern auf meinem Rücken); neulich bei einer Bondage zu meinem Geburtstag. Aber diese Momente sind so selten.

 

Und meist habe ich das Gefühl, auch die Last der Erde tragen zu müssen. Inneres Leid gepaart mit äusserem Leid: wie wenig komme ich noch damit zurecht, das „Gott etwas so schlimmes zulässt“. (Egal was das ist.) Die Säure hat meine Schutzschicht weggätzt, und jeder andere Schmerz wird fast automatisch auch ein Stück meines Schmerzes, je älter ich werde.

 

Und doch sind die Dinge am schlimmsten, die ich selbst an mir erfahre, wie das Hängen gelassen worden zu sein (erst dieser Tage wieder, siehe den Blog-Eintrag vorher). Die Isolation in meinem Elternhaus, über ein Jahrzehnt hinweg. Der äussere Druck durch echte Lebensbedrohung. Keine Freunde damals, kaum einer meiner Schulkameraden wollte a) so weit fahren und b) dann auch noch gerade in dieses sehr spezielle Setting hinein. Die innere Isolation – kein Familienzusammenhalt, sondern Alkoholismus und emotionaler Missbrauch. Egoismus meiner Mutter. Die frühe Kindheit… schien mir lange gut zu sein. Doch gerade die Arbeit in den letzten beiden Jahren an meinen Erinnerungen zeigt ein anderes Bild: das schüchterne Kind, das immer wieder zurückgesetzt wird, weil das andere, ältere Kind auch Hilfe braucht und dies für sich durchsetzt. Bilder der beiden Brüder zeigen uns zumeist konzentriert bis verängstigt (habe es mal in der Therapie mitgebracht, was da so ist). Eine ungute (s.?) Erinnerung an einen „Onkel Fritz“, der niemals in der Familie existiert hat. Erinnerungen darüber, ein „Geschirr“ getragen zu haben als kleines Kind; und eine Erinnerung, es freudestrahlend geholt zu haben, damit man mit mir spazieren geht. Erinnerung daran, dass ich ein rosa Röckchen tragen musste (beides mit ca 4?). Viele Erinnerungen daran, dass meine Eltern es nie versäumt haben, mir und anderen zu sagen, dass sie als 2. Kind gerne ein Mädchen gehabt hätten (wie peinlich, wenn man das auch noch vor anderen gesagt bekommt); heute würde ich sonst „Emma“ heissen.

 

Ich nutze gerade all meine Skills, um es meine Frau nicht bemerken zu lassen, und um mich nicht selbst zu verletzten, obwohl mir danach ist und passende Bilder ständig auftauchen – mal als Erlösung, mal als Qual: ich Säure (Benzin) trinkend. Ich mich mit Benzin übergiessend und ansteckend. Mein Kopf auf die Schienen der Eisenbahn (eine weitere Fahrt ohne Wiederkehr). Mit dem Khuru auf meinem Tisch auf meinen Arm einstechend, auf meinen mir verhassten Körper einstechend.

 

Und doch… ein paar Menschen geben mir etwas Halt und ich bin sooooooo dankbar. Trotz all der Erfahrungen und Säure. Weil, trotz Umweltskandal auch Greenpeace da ist. Weil Menschen für Menschen da sind. So gebe ich die Hoffnung nicht so einfach auf und weiss einfach um meine Verletztheit; stelle mich den Erinnerungen, die nach und nach bei der Arbeit daran auftauchen und hoffe einfach, es zu schaffen.

 

Und so schaffe ich mir immer wieder auch meine Traumwelt aus der Kindheit (schon mit ca 6 Jahren war das mein Ideal): ich wäre Sissy (die Kaiserin), schwerkrank, umsorgt, behütet. Wer die Folge kennt, weiss, was ich meine. Und mag es, mal (wie am Geburtstagsfest) Teile davon auszuleben, oder andere Dinge, wie ein KG zu tragen, just for fun und um keine Verantwortung tragen zu müssen, zum Loslassen. All das, um im Innersten geschützt, geborgen und geliebt zu sein. Und alles davon hat gleichzeitig immer den Bezug zur Kindheit – bittersüss, weil: warum wurde ich so?

 

Benzin

Benzin (Photo credit: Wikipedia) verplombt – eine Art Keuscheitsgürtel?

English: A sissy maid

English: A sissy maid (Photo credit: Wikipedia)

Sissy?

Sissy? (Photo credit: Jack_Orlando)

 

~ von Waltkaye - 2. August 2012.

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