Wert des Menschen (4): Wert durch mich selbst

Um damit weiterzumachen: https://waltkaye.wordpress.com/2012/05/20/wert-des-menschen-3-gott-und-ich/

Der Wert eines Menschen kann auch durch sich selbst definiert sein.

Eine der ersten Fragen, die sich mir dabei stellt, ist die des Bezugssystems. Gibt es einen absoluten Wert, mit dem ich zu mir sagen könnte „ich bin es mir wert“ oder „ich bin gut“? Es scheint mir in dieser Welt nicht möglich zu sein, so etwas klar zu definieren. Alles wird immer (!) in Relation zu etwas anderem betrachtet. Die Zeit: Bewegung von Atomen. Die Noten eines Zeugnisses: was wäre notwendig gewesen… was haben die anderen. Entfernung: wie lange brauche ich… usw…

Ebenso die „inneren“ Werte (gibt es diese denn überhaupt): Freundlichkeit, Güte, …, Glaube,… Phantasie,…

Woran wäre also zu bemerken, dass ich einen Wert durch mich selbst habe? Nur im Vergleich, und allenfalls in der Wahrnehmung (ob richtig oder nicht), dass ich für irgendwas „gut“ bin.

Akzeptiere ich diesen „relativen“ Wert, dürfte das Leben etwas leichter werden. Zumindest dann, wenn ich mich auf der positiven Seite verbuchen kann. Wenn ich unterm Strich sagen kann: „Eigentlich bin ich ganz OK“.

Gelingt dies nicht, weil z.B. das Wertesystem ein Manko hat, wird es schwierig. Hier setzt mein persönliches Problem an: mein Elternhaus hat mir auf mehrerlei Weise vermittelt, was ich wirklich wert bin: nichts.

Der Egoismus meiner Mutter, ihre Hysterie im Umgang mit Finanzen und als Co-Alki haben mir schwere Jahre gezeigt; sie liebte sich definitiv am meisten. Kinder waren hier nur Puffer zwischen Vater und ihr; wie sie selbst auch einige Male wunderschön formuliert hat „ich kann wegen Euch Kindern den Papa nicht verlassen“ (trotz Alk, Jähzorn und andere auch externer Dinge).

Und Vaddern? Wollte hoch hinaus und hatte Probleme damit, dass andere besser sein könnten. Kam hoch hinaus. Aber dann steiler Sturz in den Suizid (nach m.E. 20 Jahren Alk-Karriere).

Beide haben mich so mitlaufen lassen. Bruder hatte Probleme und wurde daher gecoacht. Ich hatte keine Probleme. War zuhause nur der Künstler und Spinner, der in seinen Träumen und Phantasien hängt. Meine Musik z.B. wurde nie gewürdigt von ihnen. Dafür in der Schule vor allen vorspielen – zum Ende der 4. Klasse etwa stellvertretend für die ganze Grundschule auf die ich ging. Aber Anerkennung zuhause: Fehlanzeige. Ich konnte mich strecken, egal. Hatte Narrenfreiheit. War faul, solange in der Schule es ging, kein Problem.

Ich habe mich nach der Schule ebenfalls versucht zu strecken (wobei Studium erstmal grosse Krise). Aber Kurve gekriegt und sehr gutes Diplom gemacht, nachdem ich meine Liebste fand. Gas gegeben. Doc (mit Prädikat) dazu. MBA dazu. Erfolg im Beruf, Aufstiege…. Aber Anerkennung durch Eltern? Nie.

Ich habe also vor allem gelernt: anstrengen… und trotzdem wird man nie geliebt. Für mich ist es nach wie vor ein Wunder (ernst gemeint !), dass mich meine Liebste selbst wieder liebt. Ich versteh auch heute, nach vielen Jahren, nicht wieso. Ich bin doch nichts wert. Meine Leistung kann es nicht sein (und die ist in den letzten Jahren gesundheitsbedingt auch eingebrochen – wer zuviel Gas gibt, kann nicht mehr – wie eine Kerze, die zu schnell abbrennt). Und andere Dinge…? Ich weiss nicht, wofür man mich lieben sollte.

Also: was ist der Wert den ich mir gebe? Ich weiss es nicht. Ich fühle (!) mich meist wertlos.

Ich würde so hoffen, durch Freundschaften wieder Wert zu gewinnen. Aber  de facto ist hier nicht mehr viel Spielraum. Altersmässig nicht. Kontakte halber auch nicht. Ich möchte authentisch sein dürfen, doch wo kann ich das? Da habe ich nur einige wenige Menschen im AK gefunden, doch die sind weit weg. Der letzte Kontakt zur Zeit… wird auch dünner. Ich will nicht auf den Wecker gehen. Und indem ich versuche, mich zurückzuhalten, entschwindet auch dieser Kontakt langsam aber sichtbar.

Am Ende bin ich wirklich auf Familie und mich selbst zurückgeworfen, und damit in einem Kreislauf. Kein Wert von innen => kein Wert von aussen => kein Wert von innen. Wertlos eben. Es scheint, als wäre ich so geboren. Dabei bin ich „nur“ kompliziert und daher anstrengend, keiner will das anscheinend mitmachen. Und was bedeutet das für mein Wertesystem? Zumindest den Punkt kenne ich: Liebe. Lieben aber eben auch geliebt (oder von Freunden wertgeschätzt zu werden, ab und an mal angerufen zu werden, was mit diesen zu unternehmen), dies dürfte die Basis bei mir sein, um einen Wert zu empfinden. Meine Selbstliebe ist leider auf Null. und von aussen bleibt am Ende nur die Familie. Immerhin. Sträflingen in der Todeszelle und Isolation haben noch weniger. Aber manchmal ist das, was ich für mich wahrnehme, halt auch für mich zuwenig zum wertvollen Leben. Einsamkeit tötet.

~ von Waltkaye - 30. Mai 2012.

2 Antworten to “Wert des Menschen (4): Wert durch mich selbst”

  1. was mir zum schwindenden kontakt einfällt, ohne jetzt genau zu wissen, wen du meinst:
    freundschaft ist keine sache der quantität. sondern der intensität. heißt für mich konkret, dass ich mit manchen guten freunden nur sehr selten kontakt habe. aber wenn wir uns treffen, sprechen, lesen ist die verbundenheit stärker als die zeit des schweigens. man kann an vergangenes anknüpfen. fühlt sich wohl miteinander.

    kann es sein, dass du den wert einer freundschaft stärker an der häufigkeit des kontaktes denn an der qualität misst? (ist eine ernstgemeinte frage!)

    lg,
    pajaneda

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