obwohl

obwohl ich nicht mehr viel schreiben will (will ich nix zu sagen habe): unser hauptkonkurrent auf unserem markt hat dieser tage ein produkt plaziert, das mein letztes, mir verbliebenes produkt verdrängen kann (und sicher wird), weil deutlich günstiger (er wird subventioniert, wir nicht).

und wir selbst schauen uns grad alle zahlen an, und ich stehe nun auf der abschussrampe… muss argumentieren, warum es mein produkt noch braucht. letztes jahr war ich noch für einen ganzen fuhrpark verantwortlich, nach der erkrankung auf ein produkt zurückgesetzt, für dass ich in einem schlechten jahr nun keine gegenfinanzierung habe.

was soll man da noch sagen. es kommt die zeit, zu gehen, gegangen zu werden, oder endgültig zu gehen. ich fahre nicht mehr angeschnallt auto, dafür schneller. ich fordere das schicksal heraus. und wenn es negativ zuschlägt, was soll´s. ich will grad nicht mehr leben. ritze mich grade und schau mal, wie tief das geht. ist keiner da, der einen auffangen will (keine freunde, keine bekannten, denen ich mich noch anvertrauen kann, familie kann auch nicht helfen). fühl mich nur noch im weg, überflüssig, wertlos, menschlicher abfall der modernen gesellschaft. viel gearbeitet, erfolgreich gewesen, krank geworden, fallen gelassen. DAS ist die mechanik, die unsere gesellschaft prägt, nichts anderes.

so, jetzt ritze ich weiter, geniesse den schmerz und merke, dass etwas halt noch lebt. wenn der schmerz nicht mehr reicht, dann lasse ich ritzen, am hals – alles ausgedacht und vorbereitet. bahnstrecke ist in der nähe.

~ von Waltkaye - 18. April 2011.

5 Antworten to “obwohl”

  1. zwar kann ich verstehen, dass die erfahrung, so aufs abstellgleis geschoben zu werden, sehr, sehr schmerzlich und deprimierend ist.
    aber gleichzeitig finde ich es, ich sagte es dir bereits, ärgerlich, dass du so absolut über „niemand ist da für mich“ schreibst. damit verletzt du auch jene, die sich gedanken um dich machen, kontakt suchen – und du stößt sie zurück.
    tust du es, damit du festhalten kannst an dem: keiner mag mich?
    keiner „will“ dich auffangen? vielleicht kann es niemand tun, weil du es nicht willst.

    und das mit der bahnstrecke: nein, überleg dir nicht, was du freunden und familie damit an schmerz bereiten würdest. ich vermute, so wie du fühlst, würde dich das nicht abhalten.

    aber überleg dir, was du einem völlig unbeteiligten, nämlich dem lokführer des betreffenden zuges, damit antun würdest. der – auch wenn er nichts dafür kann – dennoch damit weiter leben müsste.
    das zu ignorieren ist so unfair und egoistisch, wie ich es gar nicht ausdrücken kann.

    sorry für die harten und direkten worte.
    ich hab überlegt, ob ich sie hier eintrage.
    du kannst sie gern löschen, wenn sie dich hier stören. das ist für mich ok. aber ich wollte sie loswerden. weil mir der kontakt zu dir nicht völlig egal ist.

    einen gruß
    von pajaneda

    • nun, andere verletzen will ich nicht. ich merke nur, wie oft ich allein an der mailbox sitze, oder in der SZ,… und mit jemanden versuche, kontakt (Chat oder Telefonat) zu finden, gerade wenn es mir absolut schlecht geht. Und wie oft finde ich leider niemanden. Die, zu denen ich Kontakt hatte (Du weisst wen ich in S. meine, schreiben mir nicht mal mehr auf meine Mails), und andere aus dem SMuC Kreis scheint es ebenso wenig zu interessieren. Es bricht momentan alles zusammen – Job, Beziehung, Erotik, Gottesbeziehung ist auch angeknackst.

      Zug – kann ich verstehen. Ich dachte nicht dran, mich stehend davor zu werfen, sondern eher fein den Kopf abzutrennen (liegend, in der Dunkelheit, dunkler Sack überm Körper). Das merkt kaum einer, denke ich. Aber trotzdem hast Du recht; die Methode ist nicht gut. Es gibt besseres ohne Hilfe – das ist halt ein Signal der „zu spät“ Hilfeschreis, wenn auch recht drastisch.

      Vielleicht noch eine Anmerkung, die meine Verzweiflung klarer macht, zum Thema Kirche (und damit auch ein wenig Gott, wenngleich das nicht dasselbe ist): ich sass öfter depressiv, weinend in der Kirche die letzten paar Jahren, habe ein paar mal mich auch gemeldet (einmal gar schriftlich um Hilfe gebeten, mit Adresse und Namen). Man kann ruhig weinend aus der Kirche gehen, das ist ja OK, wie ich nun weiss. Es hat sich keiner drum gekümmert, sich keiner gemeldet. Nein, das stimmt dann doch nicht. Bettelbriefe kamen genug, Spende hier und Spende da. Das haben wir gemacht; aber Hilfe war niemals da. Da zahle ich den Spitzensteuersatz – wie schön – aber VERDAMMT nochmal, WO IST DIE KIRCHE, WENN ICH HILFE SUCHE?

      Weiterhin: Post zu recht vielen SMuCcies – Urlaubspost mit lieben Grüssen, mehrfach. In der Hoffnung, irgendeiner der vielen freut sich und meldet sich auch mal. Immerhin ein einziges Mal Feedback, auf rund 20 Postkarten an etwas ein Dutzend Leute.

      Ansonsten, durch meine viele Arbeit: keine lokalen sozialen Kontakte, isoliert. Ich versuch es grad zu durchbrechen, aber mir fehlt reichlich Mut. Bin in einen lokales Sportcenter gegangen, mal sehen. Letztes und vorletztes Jahr VHS – leider war keiner der Kontakt nachhaltig – nach dem Kurs waren alle wieder weg.

      Aus meiner Sicht also viel Verlust. Ich weiss nicht, ob Du das nachvollziehen willst, Du musst es nicht. Es tut mir jedoch leid, Dich verletzt zu haben.

  2. Ja, ich denke, ich kann nachvollziehen, was du meinst – obwohl ich es so in der Art noch nicht erlebt habe. Aufgrund vieler Ortswechsel eher jene war, die manchen Kontakt mangels Zeit und Möglichkeit über die Monate und Jahre einschlafen ließ. Dass es für jene, die zurückbleiben dann schmerzhaft ist, sehe ich – und weiß da auch um meine Schuld an manchen Verletzungen. Auf die ich nicht stolz bin.

    Dass es vielleicht sogar eine Art „Teufelskreis“ ist (je verzweifelter jemand sucht, desto stärker hat ein potentielles Gegenüber vielleicht das Gefühl vereinnamt zu werden und zieht sich zurück, blockiert… und um so verzweifelter die Suche nach „Ankommen“ und „Bleiben“) kann ich mir auch vorstellen.

    Vielleicht ist meine harsche Haltung von vor zwei Tagen auch darauf zurückzuführen, dass ich mich angesichts der Verzweiflung hilflos fühle. Den Eindruck bekomme, gar nichts tun zu können, was nachhaltig Hilfe sein könnte.
    Die Fragen „Was kann ich eigentlich leisten? Wo liegen meine Grenzen?“ müssen erlaubt sein. Denn sonst sind am Ende beide Beteiligte kraftlos und das kann nicht Sinn der Sache sein.

    Zur Kirche: Institution ist unpersönlich. Ich kenne in der Hauptsache kleinere Gemeinden, in denen man bekannt ist. In denen auffällt, wenn man mal längere Zeit nicht da war. Wo man gefragt wird, wie es einem geht und wo die Leute die Antwort auch wirklich hören wollen.
    Dass eine Amtskirche aber stellenweise mehr an Geldern als am Menschen interessiert ist, mag es durchaus so geben. Da würde wohl Jesu Wort von den geringsten unter den Brüdern greifen, denen nicht geholfen wurde. Und dort wo jenes geschieht führt Kirche sich selbst ad absurdum.

    Dennoch kann jeweils nur der Einzelne, nicht Kirche als Institution, zur Verantwortung gezogen werden, denke ich. Und wo Gott ist in all der Tiefe? Vielleicht dort, wo es noch tiefer ist? Um aufzufangen und nicht fallen zu lassen?

    Vielleicht sind es aber – in deinen Augen – auch nur schöne Worte, die ich hier schreibe. Ob sie dich erreichen weiß ich nicht. Ob sie ein wenig spüren lassen, dass da jemand ist, der sich Gedanken macht, hoffe ich.
    Und dass du nicht mich verletzen wollte, glaube ich dir.

    Einen lieben Gruß,
    Pajaneda

  3. danke Dir auch für die SMS Einladung gestern. Bin gut nach Hause gekommen, so gegen 0.30
    LG W.

    • Es freut mich, dass du da warst – auch wenn ich leider nicht so viel Zeit zum Gespräch hatte, wie ich angenommen hatte vorher.
      Gut, dass du gut heim gekommen bist!
      Bis zum nächsten Mal?

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