Erlebter Ort der Finsternis

War seit längerem wieder einmal im Gottesdienst. Ich gehe nur noch selten hin – Typen wie ich kommen ja bekanntermassen nicht an – und ergo habe ich keinen Kontakt dort gefunden. (Ich war einmal gut verankert…)

Heute nichts anderes als die letzten Jahre erlebt. Deprimiert im GoDi rumgesessen, man hat es mir sicher angesehen („Tränen lügen nicht“). Wieder rausgegangen. Keiner mich verabschiedet. Keiner der nachfragt. Hauptsache Kirchensteuer ist da.

Auch im GoDi: inhaltliche Wahrnehmung ist die, dass Gottes Bodenpersonal wichtigeres zu tun hat als Seelsorge. Aber das mag auch damit zusammenhängen, dass es m.E. auch ein klares geistliches Thema ist – wenn sich Gott abgewendet hat, warum sollte das Bodenpersonal noch was machen? Die Weinstöcke, die nichts erbringen, reisst man zugunsten der Frucht tragenden aus und verbrennt sie.

Psalm 139 sagt zu Recht: „Ach, Gott, daß du tötetest die Gottlosen,“ und da gehör ich mit meinem (geistlichen) Lebenswandel sicher dazu.

Auch emotional war das heute extrem. Ich kam in die Kirche, und hatte das Gefühl, niedergedrückt zu werden. Ein Ort der Finsternis, wohlgemerkt (nur) für mich.

Ich kann es auch so auf den Punkt bringen: die Kirche interessiert sich nicht für mich. Ich werde am besten keine Steuern mehr zahlen, und das Geld sinnstiftender verwerten. Ausserdem, ein wichtiger Aspekt: ich erspare im Falle meines Todes (Suizid oder sonst…) es der Kirche, irgendwas über mich zu erzählen, von dem sie vorher eh nichts wissen wollte. Ich finde das peinlich und verlogen, wenn es einen Nachruf auf den Toten gibt, von jemandem der den Toten nicht kannte. Und ausserdem setzt es auch ein Zeichen: Bei einer nicht-kirchlichen Trauerfeier und Beerdigung kommt die Kirche ja auch nicht unbedingt (wenn überhaupt). DAS drückt doch auch meine Wahrnehmung aus.

Gut, ich werde noch ein paar Tage drüber nachdenken, aber die Wahrscheinlichkeit eines Austritts liegt bei mehr als 50%: Kirche hat für mich keinerlei seelsorgerische Hilfe und Funktion mehr, seit Jahren.

~ von Waltkaye - 13. Juni 2010.

3 Antworten to “Erlebter Ort der Finsternis”

  1. Was erwartest denn du von der Kirche? Gehe doch einmal ganz konkret auf den Pfarrer los, und sage ihm, wie es dir geht und dass du dir überlegst, dein Leben zu nehmen. Auch das Bodenpersonal kann nicht viel machen, wenn man selbst verschlossen ist… Ich weiss, dass du schon mehrmals versucht hast, auf Gott zu hören – aber versuche es doch noch einmal (auch wenn es schmerzt).

    FAKT IST, das Jesus für deine Sünden gestorben ist und du frei sein kannst, wenn du seinen Tod annehmen kannst.

    Gruss:
    Hermes

    • In den etwas „lichteren“ Momenten stimme ich Dir absolut zu. Leben ist wohl immer wieder auch ein regelmässiges Neu-Versuchen.
      In den „düsteren“ Momenten, die grad deutlich überwiegen, kann ich einfach nicht mehr. Es fühlt sich so an, wie wenn man einem Kurzsichtigen sagt, „sieh schärfer“…

      Das Fakt nehm ich auch an, in den lichten Momenten. Aber in den dunklen komme ich immer wieder zu dem Ergebnis, dass ich Gottes Gnade verwirkt habe. Auch das überwiegt (massiv). Trotz Annahme vor vielen Jahren habe ich „frei sein“ nie erlebt. Schade.

      Ich danke Dir sehr für Deine Worte und versuche, sie mir zuzusprechen.

  2. „[…]Gottes Gnade verwirkt habe.“ Gott liebt uns. Er liebt uns so wie wir sind. Es kann gut sein, dass er unsere verhalten verabscheut, aber nur, weil es uns schadet und er das Beste für uns will.

    Ich hoffe, dir gelingt es Probleme einfach ablegen zu können – man muss ja nicht alles auf einmal lösen können. Ich versuche es auch auch immer wieder, scheitere und fange von vorne an… Aber wenn man nicht mehr aufsteht, dann bleibt man am Boden und kommt so auch nicht vom Fleck.

    Gruss
    Hermes

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