Verbitterung

Meine Liebste hat einen wichtigen Aspekt auf den Punkt gebracht. Sie meint, ich sei verbittert.

Ich muss eingestehen, dass das so ist, und vermutlich die Depression begünstigt. Verbittert darüber, dass ich viele Dinge angegangen bin, aber sich in meinen Wünschen keine Verbesserung ergeben hat. Immer nur „schaffen“ im weiteren Sinne – Arbeit, auch persönliches Arbeiten an sich selbst, Paartherapie,…  – aber kein „Aufatmen“. Der Sexualität renne ich schon innerlich weg. Sex macht momentan kaum Spass. Dafür Essen – zuviel. Ich stopfe wieder, wie vor Jahren, alles in mich rein. Der Weg, den ich die letzten paar Jahre beschritten haben, scheint doch eine Sackgasse zu sein. Lieber dick und bräsig-dumpf, also dünn runtergehungert und trotzdem nicht glücklich. 

Zudem hat sich mein Schlafverhalten ziemlich deutlich verändert – das mag mit dem Berufsstress zu tun haben. Jedenfalls schlaffe ich sofort ein, wenn ich im Bett bin. Ist auch eine Flucht vor der Sexualität.

So gesehen: die „vitale Trias“ Essen, Schlafen, Sexualität ist bei mir reichlich kaputt. Nach einem Burnout-Test, den ich vor kurzem gemacht habe, habe ich einen solchen oder stehe kurz davor. Und ein Test der Suizidialität, den ich alle paar Monate mache (das habe ich mir mal auferlegt), der steigt wieder an. Niedrig war der Score nie, aber ich müsste eigentlich zum Arzt….

Aber was soll das – so lebe ich eh schon lange. Ich erkenne, dass das Leben eine Qual ist, und schöne Momente eher Seltensheitswert haben.

Was trägt sonst noch zur Verbitterung bei? Über lange Monate hinweg war auch mein Elternhaus ein Thema. Hier wurde mir nun eine Trauma-Therapie ans Herz gelegt. Ich musste erkennen, dass das Thema „Liebe“ zugunsten „Leistung“ dort untervertreten war; und dass ich trotz aller Mühe „nie ausreichend“ war.

Schliesslich hab ich auch versucht, Freunde zu finden. Aber ich schaffe es nicht. Bin zu bescheuert dazu.

Ach ich weiss grad nicht weiter. ich schreib das so runter, höre gerade wohltuende Musik – das scheint ein positiver Anker zu sein. Healey Westenra, „River of Dreams“ läuft grad…. (vgl. aber auch

Beschluss: sollte ich meine Funktion mal nicht mehr erfüllen – Ernährer der Familie -, dann werde ich „gehen“.

  •  Familie ist gut abgesichert, und ich bin emotional mehr Last als Freude.
  • Schlafmittel + Autoabgase. Im Winter allenfalls auch Erfrieren – der Wald ist nicht weit und hier kann es ziemlich kalt werden. Kalt ist es eh schon, in meinem Herzen.

~ von Waltkaye - 10. Januar 2010.

10 Antworten to “Verbitterung”

  1. Denkst du dass dich Gott erschaffen hat, damit du dich wertlos fühlst? Ich weiss nicht wie es momentan steht, zwischen dir und Gott, aber das letzte was du schriebst ist, dass du nicht sehr viel von ihm wissen willst…

    Ich weiss nicht, aber irgendwie würde es mich freuen, wenn du Gott suchen würdest, wenn möglich jetzt oder spätestens, wenn du absolut nicht mehr weiter weisst.

    Matthäus 11,28:
    Jesus Christus: Kommt herzu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

    • Ich würde mich durchaus als jemand bezeichnen, der daran glaubt, dass der Gott (der Bibel) besteht. Oder ich hoffe es zumindest. Gäbe es ihn nicht (ich bin oft am zweifeln), dann wäre das Leben erst recht wertlos.
      Bin vor bald 30 Jahren „zum Glauben“ gekommen – aber geistlich nicht weit gekommen, auch nicht gut geerdet. Mein Glaube ist also sehr schwach.
      Ich versuche, meinen Kindern Gott zu vermitteln, so gut es geht. Sie wissen nicht viel von meinen Problemen.
      Muss noch ein weniug drüber nachdenken, was Du schreibst….

  2. weißt du, was ich hier gern mal lesen würde?

    „ich habe jetzt einen termin für den psychiater und mich über therapieformen informiert. der erste termin für ein erstgespräch steht auch an.“

    aber ich habe das gefühl, dass dir die opferrolle ganz gut gefällt, weil sie aufmerksamkeit bringt.

    • das kannst du hier nicht so einfach lesen, weil ich schon dort war – 3 termine, der nächste steht an. aber die psychiaterin will vorderhand erst anamnese machen (sie hat auch das mit der trauma-therapie gebracht)

      opferrolle? da hast du sicher, zumindest in teilen, recht. ich nehme sie offensichtlich ein. sollte eher täter meines schicksals sein. nur bin ich da bisher gescheitert, wie ich meine. und ja, absolut: aufmerksamkeit tut gut – nicht die schreierische der bild zeitung, aber zu wissen, dass es menschen gibt, die das ab und an lesen und an einen denken, oder wenn man will und kann, auch für einen beten.

  3. du schriebst mir mal, du bist in behandlung. meine antwort war: offenbar ist diese nicht optimal. keine antwort.
    ich schrieb dir mal: erinnere dich an das schöne, ganz bewusst, nimm die kleinen dinge wahr. deine antwort: ja, aber…

    ich weiß, dass die aufmerksamkeit fremder in so einem blog gut tut, aber was ich vermisse ist initiative. du fängst etwas an, schon mit dem hintergedanken, dass es sowieso schief gehen wird, machst es nur halbherzig und wenn es dann schiefgeht (self fulfilling prophecy), badest du in selbstmitleid und schreibst über selbstmord. wo kommt der punkt, an dem du die guten wünsche, gebete und tipps der kommentatoren würdigst? wo kommt der punkt, an dem DU aktiv wirst? so richtig, nicht nur halbherzig. denn, und das habe ich hier auch schon geschrieben: das kannst nur du allein. wenn du hilfe brauchst, suche sie dir. auch das kannst nur du allein. wir, die wir dich lesen und versuchen, dir hilfe zu sein, können es nur bedingt.
    wenn deine psychiaterin anamnese machen will: wo ist das problem? wenn eine traumatherapie ihrer meinung nach helfen kann – wo ist das problem, es zumindest zu versuchen? DAS meine ich mit initiative.

  4. Also, MEINE Kommentare müssen nicht gewürdigt werden, ich will hier nicht als Wohltäter erscheinen, das bin ich nicht 😀 . Ich weiß auch nicht, was richtig ist. Und ich weiß auch nicht, was helfen kann (fühle mich auch nicht verantwortlich), nur, dass es von außen meistens anders aussieht und jeder Mensch anders ist und Dinge geschehen, die man nicht immer versteht und sich der Sinn oft erst später erschließt. Warum ich oft rate, zu beten? Nicht „nur“ wegen Gott. Sondern auch, weil man dann lernt, sich aus einer anderen Perspektive zu betrachten, aus Gottes Perspektive, ganz langsam. Wenn der Wille zu leben auch winzig klein sein mag, er kann wachsen. Und weil man etwas abgeben kann von seiner Last, etwas tun zu müssen und erstmal Gott tun lässt. Damit irgendwann ih selber tun kann.
    Mir sagte man immer: Therapeuten können dir nicht helfen, nur du selbst. Ich glaube, dadurch bin ich gläubig geworden – weil ich verstanden habe, dass ich mir selbst eben nicht helfen kann. Nur ich muss entscheiden, was für mich die richtige Tür ist und sie aufmachen. Das ist das eigentlich Schwere. Nichts ist schlimmer als „alles ausprobieren“.
    Aber naja, hoffe, ich habe dich jetzt nicht verwirrt… 😉
    Ich denke an dich.

  5. Hallo waltkaye

    Ich hab mir noch ein paar Überlegungen gemacht…
    Es ist recht einfach: in der Opferrolle kommt nichts unbekanntes. Man macht die Sachen zwar falsch, aber man weiss es im Vorraus schon.

    Allerdings kann man als Täter nicht sagen, ob alles gut herauskommt. Man hat etwas ungewisses beim Planen. Man sollte damit rechnen, dass nicht ALLES positive verläuft. Aber so verläuft ein grosser Teil des Lebens positiv.

    Wenn man etwas neues versucht, kann es schief gehen. Wenn man es aber nicht einmal versucht, wie will man dann etwas entdecken?

    Ich meine damit, dass tätig sein kostet Energie und man geht das Risiko ein, dass nicht alles gut kommt. Aber nur wenn man aus den Fehlern als Täter lehrt und weiter macht, gelingt einem später immer mehr…

  6. Du läufst weg vor allem und jedem, vor allem vor dir selber. Herhalten müssen alle anderen warum nichts geht, warum du so nach am Suizid bist. Wäre es doch ein einfaches in eine Klinik zu gehen und selber dafür zu sorgen das es wieder bergauf geht. Aber jammern kommt halt besser. Du versuchst dich gerade zum Opfer zu machen. Bist du aber nicht. Gerade bist du Täter. Was tust du deiner Familie an?
    Du belügst und betrügst sie von hinten bis vorne. Du tust nichts dafür auf die Füsse zu kommen.
    Natürlicher ist es einfacher sich Umzubringen als aktiv was zur eigenen Gesundung beizutragen.
    Und erspare dir und mir die ausreden warum du jetzt in keine Klinik gehen kannst. Ich kenn sie alle…… es ist lediglich die Angst vor dem neuen. Davor das dir ein Leben irgendwann gefallen könnte, die Angst das du vielleicht feststellst das du Frau und Kinder verlassen mußt um glücklich zu werden. Hast du doch gelenrt das du unglückliich zu sein hast.

    Seh zu das du eingewiesen wirst bevor es jemand anderes tut.

    Claudia

    • ich lass das so stehen. wohl ein teil korrekt, aber auch nicht alles: bin 3 jahre in paartherapie, und rund 1/4 jahr in zusätzlicher einzeltherapie bei einer psychaterin, sie weiss um den suizidgedanken. hält mich aber für stabil genug…
      in den 3 jahren erstmal viel erkenntnis und ein paar änderungen, z.T. sehr aktiv (z.b. gefühle angefangen zu verbailsieren, nicht nur hier im blog, anstelle immer nur runterzuschlucken). aber offensichtlich nicht ausreichend, da depresion.
      aber wie gesagt – wenn du die wahrnehmung hast, wird das wohl so sein.

  7. vergiss die psychater, der grossteil von denen bringt sowieso nichts, da sie nur geld verdienen wollen.
    gute psychater sind rar und selbst ich habe bisher noch keinen akzeptablen in meiner nähe gefunden.
    was ich dir nur raten kann zu deinem problem: geh raus und genies das leben, setz dich auf die bank, beobachte die menschen, wenn du freunde hast wenn auch wenige dann verabrede dich ab und zu mit ihnen.
    ich habe ein ähnliches problem wie du und das kommt und geht.
    selbsttherapie hilft da nur.
    viel glück und wirf dich nicht selbst weg. denn wer trauert dann um dich wenn du schon von haus aus ausgehst du bist allein?

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