Gefühlschaos

Der Workshop, den ich besucht habe, hinterlässt ein reichliches Gefühlschaos bei mir. Ich bin noch beim sortieren…

Wenngleich sich meine innersten Wünsch (Gespräch und Spielen) nicht so erfüllt haben, wie es erhofft war (und daher der Samstag abend für mich tränenreich war), hatte ich auch wenigstens ein sehr gutes Gespräch mit 2 „Leidensgenossen“ (P. und K.) – ihre jeweilige Situation erahnend, im Gespräch sich gegenseitig Beistand geben (wobei ich sicher diesmal am meisten abbekommen habe und dafür sehr dankbar bin).

Der Weg durch Depression und Einsamkeit ist ein langer und steiniger Weg. Am Samstagabend VOR dem o.g. Gespräch wollte ich schier alles hinwerfen (und hatte entsprechend schon ein Dokument geschrieben), danach konnte ich wieder etwas Hoffnung schöpfen! Manchmal wissen Menschen nicht, was sie einem alles Gute tun, durch ihr Handeln oder durch ihre Worte. Wenn wir das nur alle wüssten und dann so handeln würde, mich eingeschlossen, dann wäre etwas weniger Leid auf der ganzen Welt. Danke, liebe P. und lieber K. Danke auch für die lieben Mails danach, auch von S.

Beobachtung: in schwerem Frust bin ich durch körperlichen Kontakt leichter zu erreichen als nur durch Worte. Einfach Hand an Arm oder so… Was mir auch gut getan hat, war das „Hugging“ auf dem Workshop, beim Abendmahl und beim Abschied. 

Ich hoffe, den Lichtblick erhalten zu können, und darauf auch aufzubauen. Ich ahne, dass es nicht leicht ist. Aber, falls es mir gelingt, mich aktiv einzubringen und Kontakte aufzubauen, vielleicht … wird es dann besser?

~ von Waltkaye - 26. Oktober 2009.

3 Antworten to “Gefühlschaos”

  1. ein guter schritt! du sprichst ja selbst vom weg durch depression und einsamkeit und ein erster schritt ist immer, die selbstgewählte (denn das ist sie meist) einsamkeit zu durchbrechen und kontakte zu suchen. mir persönlich gibt es sehr viel, mit menschen zu sprechen, die depressionen kennen und wissen, wie es sich anfühlt im tiefen loch, das immer mal wieder kommt, um einen zu verschlingen. die das wand anstarren kennen. auch, wenn es viele menschen gibt, die sehr mitfühlend sind, so ist es doch etwas anderes, als wenn sie depressionen kennen oder haben.
    eine gemeinschaft zu haben, egal ob kirche oder sportverein, taubenzüchter oder hundestaffel, ist ein wichtiger haltepunkt im leben, weil es einen zwingt, über sich selbst hinaus auch andere zu sehen, sich einzufügen, mit anderen zu agieren. an dem punkt, an dem man sich dem entzieht, weil einen die depression dazu gebracht hat, im eigenen saft und selbstmitleid zu kochen, wird es meist gefährlich. depression will volle aufmerksamkeit, die gesamte kraft, alles, was du hast, sollst du ihr opfern. hier ein stoppschild aufzustellen und zu sagen: „nein, du bist ein teil von mir, aber du bist nicht ich“ ist ein riesenschritt. sehr anstrengend, aber sehr lohnend.

    • Mir ist spontan der Text hier eingefallen: „Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg ist steinig und hart“. (Xavier Naidoo, wenn ich mich nicht irre).
      Ich bin immer noch am sortieren vom Wochenende..obwohl ja schon Donnerstag ist. Aber, es hat mich sowohl sehr mitgenommen wie auch (daher der Text „Gefühlschaos“ eben auch sehr zum erneuten Hinterfragen meiner Positionen gebracht; insbesondere DER Positionen, die sich eher aus meiner Art heraus (wie ich bin) ergeben, weniger das, was ich kognitiv annehme. Also, der berühmte Brückenschlag zwischen Herz und Hirn.

      Das Herz bei mir lässt sich oft nicht so einfach berühren. Aus meiner Sicht ist da zuviel negativee passiert – Missbrauch im Elternhaus, Spaltung zwischen geistlichem Leben und weltlichem Leben, „Verdammnis“, Spannungsfeld in der Sexualität usw…
      Aber genau hier scheint doch der Ansatzpunkt zu liegen. Es wieder zuzulassen, verletzt zu werden, in der Hoffnung, genau hier auch ab und an Heilung und Wohlmeinen zu erfahren. Ein bischen riskant wirkt das schon auf mich. Die Verletzungen haben mich letzenendes auch schon mal dazu gebracht, in eine Stromleitung zu langen – ich habe es offensichtlich überlebt.

      Ich danke Dir für das „Stoppschild“ – es erinnert mich an eine Technik namens „Gedankenstop“, die ich schon lange nicht mehr verwendet habe…

      • tihi, du sollst dich ja nicht kopfüber in die gefahr stürzen. es reicht ja, wenn du die jetzt vorhandenen kontakte pflegst. dann wirst du sehen, dass sie gut tun, dass du positives feedback bekommst.
        zu meinem großen erstaunen renne ich mit meiner depression offene arme ein. das ist eine neue erfahrung für mich, denn in meinem bisherigen leben bekam ich anerkennung nur für leistung, wie ein trainierter hund, der einen keks bekommt, wenn er etwas gut macht. nun erfahre ich von vielen menschen zuneigung und anerkennung für mich, dafür, wie ich bin. ich habe jahrelang immer allen zugehört, war immer für alle da und habe sie mit meinen problemen nicht belasten wollen, die sie eh nicht hätten lösen können. und jetzt, wo ich mich öffne und darüber rede, offen, ohne die vorher trainierten phrasen, die immer ausgereicht haben, um mein schicksal zu beschreiben, jetzt merke ich, dass menschen an mich glauben, mir zuneigung und aufmerksamkeit schenken.
        diese öffnung war nicht zu vermeiden, sonst wäre ich längst nicht soweit. dieses jahr gab es eben diese begebenheit (wenn du mein blog liest, weißt du bescheid), die mich dazu gezwungen hat, die vergangenheit endlich anzugehen und aufzuarbeiten. ich lag und liege immer noch wie ein nacktes baby auf dem kalten kirchenboden, rein emotional gesehen. alle meine wälle und mauern sind eingestürzt, ich starte wieder bei null. aber es kommen menschen an mir vorbei, und sie sitzen im kreis um mich herum. und sie nehmen mich auf den arm. einer hat eine warme decke dabei, ein anderer warme milch, der nächste warme worte. und so wird dieses emotinale baby langsam wieder warm, kann vertrauen fassen, hat keine angst, wieder dort auf den boden gelegt zu werden. und selbst wenn es dort wieder liegen müsste, hätte es zumindest eine decke und all die anderen dinge, die die anderen dagelassen haben.
        genau das meinte ich mit dem anstrengenden, aber lohnenden schritt. und aus meinem blog sollte dir das konzept der babyschritte bekannt sein.
        hast du eigentlich mal über meinen vorschlag mit dem „positiv-blog“ nachgedacht?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: