Was nun?

Bin wieder hin- und hergerissen. Plane eigentlich aufs folgenden Wochenende, mich wieder beim halbjährlichen Treffen von sm-und-christsein einzubringen. Oder doch nicht? Nachdem ich ziemlich konsequent aber nicht unbedingt absichtlich die meisten Kontakte im Privatleben beendet habe, bleibt mir ausserhalb meiner Arbeit nur noch dieser Kreis an Menschen, denen ich mehr zeige von mir, als eben der Arbeitnehmer der in mir steckt.

Aber, solange ich unter Strom stehe in der Arbeit, geht es mir einigermassen gut. Nur jedesmal dann, wenn es Wochenende wird, oder keine Arbeit mir Druck macht, falle ich ins Loch. Dann sitze ich manchmal stundenlang da und stiere irgendwohin. Auch zuhause, im Keller. Auch im Gottesdienst. Werde dort sicher auch deswegen geschnitten. Wann wird es mir bei meinen Bekannten (Freunden?) beim Arbeitskreis soweit sein? Oder spinne ich nur was herauf? Ich weiss einfach nicht weiter.

Fakt ist, dass ich meine Wertschätzung wohl wirklich nur noch an meiner Leistung festmache. Die Arbeitsmarktkrise hilft hier nicht wirklich, ist also eher sogar bedrohlich an diesem Anker, obwohl ich sicher ein Leistungsträger bin (das Finanzamt kauft sich demnächst einen neuen langen roten Teppich von meiner Steuernachzahlung). Ich sollte was ändern, aber wie? Die seltenen Male von BDSM zuhause waren für mich positive Wunder, aber eben selten. Wo ich mich fallen lassen darf, kann, muss. Das Vertrauen wagen. Und eine zwischenmenschliche positive Seite verspüre, die ich mir dann auch zugestehen kann.

Nicht wie im täglichen Leben, wo ich z.B. mit Lob gar nicht (mehr) gut umgehen kann. Früher konnte man mit Lob bei mir viel erfreuen, aber auch viel erreichen => es wurde wohl auch manipulativ eingesetzt. Heute – kann ich mich über ehrliches Lob nicht richtig freuen, denke immer, was der andere wohl bezweckt. Zuviel Enttäuschung diesbezüglich ist dann halt auch wirklich mal zuviel – es bewirkt an den inneren Prozessen was negatives.

~ von Waltkaye - 16. Oktober 2009.

6 Antworten to “Was nun?”

  1. die isolation kannst du nur durchbrechen, indem du offensiv mit deiner krankheit, denn nichts anderes ist eine depression, umgehst. wenn du freunde, die du verprellt hast, kontaktierst und ihnen sagst, was los ist, wird keiner, der dir wirklich wohlgesonnen ist, sich umdrehen.
    mir ist bewusst, dass die gutgemeinten ratschläge einem nicht unbedingt weiterhelfen. aber ein aufgeben, ein suizid, auch nicht. in deiner momentanen verfassung würde er nur bedeuten: naja, bin ich eben weg, fällt auch keinem auf. aber das ist nicht so. deine tochter würde ebenso ihr leben lang darunter leiden wie deine frau. auch von ihnen hast du dich distanziert, nicht umgekehrt. ich kenne diese dinge sehr gut und es ist nicht leicht, aber es kann funktionieren, wenn man offen ist.
    auch und vor allem mit den suizidgedanken. wenn du in deiner therapie (und du bist ja in einer, wenn ich das richtig gelesen habe) bist – sprichst du den suizid an? öffnest du dich dem, was kommt, wenn es einmal kundigen ohren gegenüber ausgesprochen ist? das ist wichtig, denn ohne die komplette offenheit gegenüber psychologen/psychiater KANN sich nichts ändern. er kann dir nur helfen, wenn du ihm den ansatzpunkt gibst.

    • Ich stimme Dir kognitiv absolut zu. Mein Problem liegt mehr in der Verbindung vom Kopf zum Herz zum Handeln. Da blockiere ich mich oft selbst.
      Und ja, ich stimmte Dir absolut zu mit dem Kindern und meier Frau. Ich bin selbst Suizid-Waiser, und habe das durchgemacht, was es heisst, ein Elternteil plötzlic und auf diese Weise zu verlieren.
      Meine Therapeutin weiss es, und im groben auch meine Frau. Ich bekomme Fluoxetin, wobei ich das Gefühl habe, es wirkt ein wenig, aber nicht sonderlich. Es wird immer auch mal thematisiert, aber eben nicht zentral. Suizid ist, weil irgendwas anderes falsch läuft…

      Aber das richtige Öffnen im Suizid-Thema, das geschieht nur hier. Nur hier kann ich auch mal schreiben, wie ich es anstellen würde. Nur hier kann ich die grossen „Schismen“ beschreiben, die in mir sind. Nur hier krieg ich Feedback von Menschen wie Dir, die mich nicht kennen und damit auch eine neutrale Sicht haben. (DANKE!)

      Meine Frau will ich damit nicht belasten, sie weiss um mein Thema im groben, hat aber „Halt“ signalisiert. Meine Therapeutin weiss es ebenfalls und bei Einzel-Terminen kommt das auch aufs Tapet.

      Meine Freunde – das ist viel auch durch die Arbeit geschehen. ICh arbeite viel; und finde wenig Zeit sonst. Und dann, der letzte Anruf an mich von einem der Freunde aus sm-und-christsein – ich wusste in dem Moment nicht, was ich bereden sollte. Ich bin dann einfach sprachlos. Kann wenig mit Wertschätzung anfangen. Das stösst andere vor den Kopf. Dabei will ich das nicht. Es passiert einfach.
      Soll keine Entschuldigung sein! Ich muss was ändern, aber wie und was?

  2. du bekommst medikamente, die nicht wirklich wirken? dann sprich das an. depressionen und auch suizidale tendenzen sind vererbbar und offensichtlich ist dies bei dir der fall.
    wenn du in einzelterminen besser über den suizid sprechen kannst, vereinbare mehr davon. was du brauchst, ist ein raum, der dir allein gehört, dir und dem, was dich bewegt.
    was du im moment tust, dich mit arbeit zuschütten und dann zuhause in suizidgedanken schwimmen, ist ein teufelskreis. versteh micht nicht falsch, mein problem mit dem suizid ist kein moralisches, obwohl auch ich glaube. mein problem mit dem suizid ist es, dass es feige ist. feige, sich selbst gegenüber, solange man sich nicht allen herausforderungen gestellt hat. feige den anderen gegenüber, die man mit den resten sitzenlässt (das kannst du sicher besser beurteilen). und feige dem gegenüber, was sein könnte, wenn deine gedanken sich nicht mehr nur um dich und dein nichtwohlbefinden drehen würden. denn das ist es. depressionen machen egozentrisch. man kocht im eigenen saft.
    ich kenne dieses dilemma zwischen ratio und herz sehr gut. es ist ein täglicher kampf um boden, den ich führe. und jedes stückchen, das ich mir hole, ist nicht sicher, jederzeit kann es mir wieder verloren gehen.

    fazit: ich denke für dich wäre wichtig

    – eine einzeltherapie, evtl. psychoanalyse
    – ein gespräch mit deinem psychiater bezgl. der medikation und dosierung

    p.s.: ich mag dein blog und freue mich über jeden post, der mir zeigt, dass du deine pläne nicht umgesetzt hast. aber er macht mich unglaublich traurig, weil du den blick für das schöne verloren hast. das ist sehr schade. wenn ich dir helfen kann, ein wenig besser klarzukommen, dann tu ich das gern.

    • ja, feige ist es, in jeglicher hinsicht. ich mache es auch deswegen nicht, weil ich meine 3 mädels liebe habe. und ihnen nicht dasselbe antun will, wie mein vater. aber die versuchung ist trotzdem da. in mir, ein teil von mir.

      „den blick für das schöne“… den sollte ich wieder entdecken. oft fehlt mir die zeit dazu. ich weiss, wenn ich weniger unter druck bin, bin ich sehr kreativ – bekam ich immer wieder zurückgespiegelt. in meinem jetzigen job kann ich das leider nicht einbringen. so mag kurzfristig das thema „das schöne anschauen“ wichtig sein, und mittelfristig den freiraum fürs kreative schaffen herzustellen – notfalls sogar mit der randbedingung, meinen jetzigen job aufzugeben und mir etwas von der art wie früher zu suchen…
      um rat jederzeit dankbar und froh – auch ums gebet, bei all meiner ambivalenz – danke!

      • der blick für das schöne braucht nicht zeit, sondern aufmerksamkeit. ein marienkäfer am fenster im winter, eine schöne blume am wegesrand, ein schönes lied im autoradio auf dem weg zur arbeit, die bunten blätter im sonnenschein, sonne, die auf wasser glitzert, und wenn es nur eine pfütze ist – all das muss man nur sehen.

        für dich und deine kreativität ist bspw. ein blog schon gut, ich denke, auch du bist ein mensch, der gern schreibt. ein post dauert nicht ewig, eine halbe stunde zeit findet sich. mach ein zweites blog auf, schreibe dort dinge auf, die dir gefallen, dich inspirieren. schöne erlebnisse, ein urlaub, geschichten von deinen kindern, wie du deine frau kennengelernt hast, warum du dich in sie verliebt hast. erinnere dich bewusst an schöne situationen, hole sie dir zurück in die erinnerung. und schreib sie auf.
        denn:

        schreiben heißt, sich selbst zu lesen.

        • Hierzu – auch im Zusammenhang mit dem „Gefühlschaos“ an folgender Stelle – will ich ab und an auch versuchen, solche Sachen für mich zu dokumentieren. Insbesondere die Dinge, die mich gefühlsmässig angesprochen haben.

          Anfang gleich hier:
          Am Wochenende auf dem „smuc“ Workshop ging es mir zeitweise besch…eiden. Eine liebe Schwester im Glauben hat es gemerkt und mir (und noch einem Bruder, der dasselbe Probleme hat wie ich) gute Worte des Mitfühlens mitgegeben, und auch einfach körperlichen Kontakt (Hand auf Arm) hergestellt.
          Jemanden, der so verkopft ist wie ich, tut so was unendlich gut. Es hilft mir den Brückschlag zwischen Herz, Hirn, Worten und Gefühlen besser machen zu können.

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