Am Rande – Gedicht

Am Rande (c) by Walt Kaye, 01.10.2008

Steh am Rande
eines Abgrunds

Schau hinunter
in die Tiefe

Kribbeln im Magen
Soll ich springen?

Ich tue es
Nein, doch nicht

Bin hin
Bin hergerissen

Soll ich
Soll ich nicht

Was hält mich?
Wer hält mich?

Hält mich auf?
Hält mich fest?

Die antworten
sind lebensentscheidend

Sie zu finden
nehm ich mir vor

Wenn ich sie nicht finde
kann ich immer noch springen

~ von Waltkaye - 26. Juni 2009.

2 Antworten to “Am Rande – Gedicht”

  1. Mal so ’ne Idee:

    Du liegst abends in deinem Bett
    oder tagsüber auf der Couch.
    Ungestört von Äußerem.
    Zeit für dich.
    Deine Augen schließt du,
    oder auch nicht.
    Du liegst einfach nur da,
    spürst die Unterlage,
    bemerkst, wie du dich jetzt fühlst.
    Vielleicht sind da schon Unruhe, Angst oder Trauer.
    Oder andere Gefühle und Empfindungen.
    Du bist einfach achtsam,
    spürst aufmerksam,
    was da ist,
    was geht,
    was kommt.
    Du nimmst deinen Puls gewahr,
    vielleicht irgend einen Schmerz.
    Gedanken kommen,
    Gedanken gehen.
    Du spürst all dieses oder anders,
    vielleicht viel,
    vielleicht wenig.

    Wenn du magst,
    sprichst du das eine oder andere von diesen an.
    Oder auch nicht.
    Ganz gleich.
    Es ist deine Zeit,
    dein Leib,
    deine Gefühle,
    deine Empfindungen.

    Vielleicht sagst du:
    Unruhe, ich spüre dich jetzt.
    Wenn dir so ist,
    gibst du ihr einen Gedanken.
    Ist sie unangenehm,
    sagst du es ihr:
    Unruhe, ich kenne dich.
    Du bist mir unangenehm.
    Zur Angst sagst du vielleicht:
    Du plagst mich oft.
    Ich mag dich nicht.
    Vielleicht ist da Dunkelheit.
    Auch diese kannst du ansprechen:
    Dunkelheit, ich spüre dich.
    Du mist mir angenehm/unangenehm.
    Ich laß dich zu/nicht zu.
    Denkst du an deine Depression?
    Kommt sie gar oder ist schon da.
    Mag sein,
    du willst jetzt mit ihr nichts zu tun haben.
    Nun, du kannst ihr das wörtlich sagen.
    Auch das kannst du ihr sagen:
    Depression,
    du bist mir unerträglich.
    Ich kann einfach nicht mit dir sein.
    Du kommst zu oft
    und ich möchte dir am liebsten entfliehen.
    Ich will mich nicht von dir beherrschen lassen.
    Falls du es wagst,
    könntest du sie auch fragen
    warum sie denn immer und immer wieder erscheint,
    was sie denn von dir will.
    Vielleicht will sie dir ja etwas zeigen.
    Du darfst sie danach fragen.
    Jetzt oder später.
    Vielleicht fragst du sie eines Tages:
    Depression, gehörst du zu mir?
    Bist du ein Teil von mir?
    Willst du etwas von mir oder etwas mit mir machen?
    Depression,
    ich bin jetzt eine kleine Weile für dich da.
    Du kommst ja ohnehin immer und immer wieder.
    Was macht dich so aufdringlich?
    Vielleicht wagst du es gar,
    ihr für eine kleine Weile zu erlauben,
    daß sie mit dir das machen kann,
    was sie schon immer will.
    Dann sagst du ihr vielleicht:
    Depresion,
    ich liefere mich dir jetzt eine kleine Weile aus.
    Wenn ich „STOP“ sage, ist damit aber Schluß.
    Und jetzt mache, was immer du willst.
    Wird es dir zu Arg, dann sagst du „STOP“.

    So kannst du nach und nach mit allem
    was du da bemerkst umgehen.

    Wagst du dies gar nicht,
    kannst du auch dies einfach leise oder laut aussprechen:
    Ich will jetzt (noch) nicht mit euch reden.
    Ich vertraue euch,
    dem Geschehen hier,
    nicht.

    Vieleicht überkommt dich eine große Traurigkeit,
    oder Wut, oder Haß, oder Einsamkeit.
    Was auch immer sich meldet
    es immer schon in dir.
    Tag und Nacht wirkt es – wie auch immer – in dir.

    Und so, wie du möchtest,
    daß Andere – wie deine Frau – mit dir reden,
    dich gewahren, beachten und dir zuhören,
    so wollen es auch all diese in dir.

    Du bleibst dabei wach,
    hast die Augen auf oder zu.
    Jederzeit kannst du aufhören
    und aufstehen.
    Und jederzeit kannst du damit fortfahren.

    Dann denkst du auch bewußt an diese Schlucht.
    Mag sein, daß du auch ein Bild von ihr hast.
    Du kannst dir auch ein eigens Bild vorstellen
    oder dir eine bekannte Schlucht aussuchen.
    Vielleicht die Wildheit des Grand Canyon.
    Ist dir das zu weit?
    Dann denk an ein Hochhaus in der Nähe
    oder an eine Brücke.
    Du hast die Wahl.

    Und jetzt,
    wenn du sie vor deinen Augen hast,
    nähere dich langsam,
    Schritt für Schritt,
    oder auch in einem Anlauf,
    dem Abgrund

    und springe.

    Und?
    Du liegst weiterhin im Bett
    oder auf der Couch.

    Doch was geschieht in deinem Inneren?

    Ich kann dir schon soviel verraten:
    Du wirst einigermaßen überrascht sein.

    Und wenn dir so ist,
    teile es uns mit.

    Liebe Grüße 🙂

    • Das Springen fühlt sich gut an. Alles hinter mir lassen, was Seelenschmerz bereitet.
      Ich kenne diese Gedanken zur Genüge. Jeder Zug, der an mir vorbeifährt, kann mich triggern. Jedes Tunnelportal, in das ich mit dem Auto fahre. Aber auch so viele andere Dinge, bei all diesen Gedankenexperimenten lande ich ganz schnell im Tod.
      Neulich Luftballon-Werbung gelesen. Woran denke ich? Exit-Bag mit Helium. Was mach ich? Ich goole nach einem günstigen (auch das noch) Versand, für eine sichere und schmerzfreie Methode.

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