Alptraum

Heute nacht hatte ich wieder einen sehr existenzialistischen Alptraum; irgendjemand wollte mir ans Leder, während ich schlief.

Ich bin schreiend und schweissgebadet aufgewacht. Das einzig gute daran war, dass ich gegen Ende, noch halb im Schlaf, das Schreien in einen Wut- und Agressionsschrei gegen den imaginären Agressor umwandeln konnte. DEr wollte mir unter anderem einen Skorpion ins Bett setzen. uuu. Zuviel Peter Pan gesehen (wer jetzt nicht weiss, was ich meine: die Verfilmung mit Robin Williams, wo er als Erwachsener wieder ins Nimmerland kommt; dort bringt Captain Hook einen Matrosen auf diese Art und Weise um. Film kam gestern, und ich habe genau diese Szene erwischt.

Aber der Hintergrund ist sicher mehr… Der Film hat nur Ängste verbalisiert. Oft habe ich existentielle Träume. Wie sehr fehlt es mir, mich einmal fallen lassen zu können und zu wissen, man wird aufgefangen. Keine Existenzangst, einfach nur „sein“.

~ von Waltkaye - 25. Mai 2009.

Eine Antwort to “Alptraum”

  1. Waltkaye,
    ich hatte ja schon erwähnt, daß mich schon die ersten Notizen deines Blocks berührt haben. Mich bewegt es innerlich und ich habe – warum auch immer – das Bedürfnis, dir auch zu zeigen, daß es mir in so manchem auch so oder ähnlich erging. Manchmal mag es ja auch zum Trost geraten, wenn andere auch nicht als Lebensheld herhalten können 🙂

    Du schreibst:
    „Heute nacht hatte ich wieder einen sehr existenzialistischen Alptraum; irgendjemand wollte mir ans Leder, während ich schlief. Ich bin schreiend und schweissgebadet aufgewacht.“

    Angst war mein ständiger Begleiter meiner ersten Lebenshälfte.
    Oft scheinbar ohne Anlaß, meist jedoch im Zusammenhang mit Autoritäten. Manchmal schon Angst vor der Angst. Und niemand da, dem ich mich hätte anvertrauen können. Ich dachte ja nicht einmal daran, daß es ein „sich anvertrauen“ geben könnte.

    Zum Ende meiner Studienzeit hatte ich jedoch eine unerwartete Auszeit von Angst.

    Im letzten Studienjahr war mir alles zu viel geworden, ich hätte gern abgebrochen. In meiner Abschlußprüfung bin ich dann gar schon beim ersten Mal durchgefallen. Für die Nachprüfung 6 Wochen später hatte ich dann aufgegeben und nichts mehr angeschaut, nichts mehr gelernt.

    Und das erste Mal in meinem jungen Leben hatte ich mich gut gefühlt, entspannt, ruhig und gelassen. Ich konnte in dieser Zeit gut und tief durchschlafen, hatte keine Träume und bin frohgelaunt aufgewacht. Meine Fröhlichkeit und Gelassenheit ist meinen Mitstudenten damals schnell aufgefallen und sie konnten nicht recht fassen, daß ich einfach nichts für die Nachprüfung tat.

    Zur Prüfung selbst bin ich auch ganz entspannt und ausgelassen gegangen … in der Annahme, daß ich ohnehin durchfallen würde und mein weiterer Lebensweg damit völlig offen und unsicher sein würde.

    Ja, und dann geschah etwas Unerwartetes.
    Zur Prüfung wurden 50 Briefumschläge mit Fragen vorgelegt. Zwei verschlossene Umschläge waren zu wählen. Von diesen darin enthaltenen Fragen durfte sich jeder Prüfling dann eine aussuchen, zu der er dann Ausführungen machen wollte. Da stand ich dann da mit meinen 2 Fragen. Eine war so kompliziert – ich wußte, daß ich nichts gescheites dazu sagen konnte und durchfallen mußte. Die andere Frage war soooo was von einfach, ich konnte nur bestehen. Ich wußte in diesem Moment einfach nicht, welchen Lebensweg ich denn nun einschlagen sollte … Abschluß meines Studiums oder eine ungewisse Zukunft … Es dauerte recht lange dann nahm ich die einfache Frage und bestand die Prüfung mit „Gut“.

    Auch in den folgenden Wochen, in denen ich meine Diplomarbeit schrieb, ging es mir weiterhin so ungekannt gut. Alles so leicht und einfach … noch nie hatte ich solches erfahren dürfen.

    Das war wie eine Kostprobe von dem, was auch du nicht kennst:
    „Wie sehr fehlt es mir, mich einmal fallen lassen zu können und zu wissen, man wird aufgefangen. Keine Existenzangst, einfach nur ’sein‘ “ schreibst du ja.

    Sie war mir für einige Wochen geschenkt, diese Kostprobe.
    Bis, ja bis ich dann meine Arbeitsstelle hatte. Nun war wieder alles wie früher schwer für mich. Ich bekam Kreislaufbeschwerden, hatte oft Herzschmerzen, unruhige Nächte und oft wieder diffuse Ängste. Und das fast mein ganzes Arbeitsleben lang.

    Jetzt, Jahrzehnte später, darf ich als Ursache dieser Schwere in meinem Leben sehen: Menschenfurcht. Ich wollte vor Menschen bestehen, von ihnen anerkannt und für gut befunden werden. Das ist schwer gewesen, sehr schwer und gelang mir nicht so, als das ich dadurch zu dauerhafter Ruhe und Frieden im Herzen gekommen wäre.

    Träume:
    Sie sind oft einfach nur wirr, manchmal aber gibt es Träume mit Andeutungen oder gar einer klaren Botschaft. Letztere halfen mir in meiner 2. Lebenshälfte. Ich habe da auch bemerkt, daß es mir irgendwie möglich war, mich meinen inneren Gefühlen und Regungen zu zuwenden und mit ihnen ins „Gespräch“ zu kommen.

    Auch mit Träumen lernte ich so umzugehen.
    Angefangen hatte das während meiner Therapie.
    Ich hatte auch hin und wieder am Tag bildhafte Eingebungen erhalten.

    Betreffs meiner Eltern hatte ich als letztes ein inneres Bild, in welchem ich beide als junge Eltern hilflos vor dem Krankenhaus stehen sah. Das war so tiefgreifend, daß mir in eben diesem Moment sofort klar war: Meine Eltern haben mich als Kleinkind nicht allein gelassen, weil sie mich nicht wollten, sondern weil sie nicht anders konnten. Mit diesem Bild, dieser Erklärung – von woher auch immer – wurde unser Verhältnis völlig verändert.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: